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Merkel und Putin auf polnischer Anklagebank

Veröffentlicht in : Nachrichten, Politik




Putin Kaczynski in DanzigDie am 1. September auf der Danziger Westerplatte stattfindenden Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Angriffes Hitlerdeutschlands auf Polen sollen aus polnischer Sicht vor allen Dingen durch die Präsenz der Regierungschefs von Russland und Deutschland, Wladimir Putin und Angela Merkel, die Welt einmal mehr darauf aufmerksam machen, dass es nicht nur alleine die Deutschen, sondern auch die Sowjets waren, welche für den Ausbruch dieses fatalen Krieges und dessen Folgen verantwortlich waren. Während Merkel ja bekanntlich eine gute Figur im gesamtdeutschen Büßergewand macht, scheint Putin noch nicht einmal gemerkt zu haben, dass er ein solches an diesem Gedenktage tragen muss, denn sonst hätte er sicherlich sein Kommen nach Danzig nicht bereits zugesagt, ohne sich die Gästeliste dieser Veranstaltung angesehen zu haben, denn hier fehlen ganz offensichtlich Gordon Brown und Nicolas Sarkozy als Vertreter Großbritanniens und Frankreichs die damals, zumindest erst einmal auf Papier, auf Seiten Polens waren. Dies scheint klares Zeichen dafür zu sein, dass der russische Premier, alleinig neben Merkel, auf der Westerplatte zum gemäßigten Spießrutenlauf antreten soll.

Wenn auch nicht Wladimir Putin, so sind aber doch einige russische Politiker stutzig über die ihrem Premier zugedachte Rolle bei den Trauerfeiern in Danzig geworden. "Tusk will uns einimpfen, dass wir von den Schäden der russischen Nation im zweiten Weltkrieg absehen, und nur Polen als einziges Opfer hitlerischer Aggressionen anerkennen" - sagte hierzu der russische Parlamentarier und Ex-Direktor des Zweiten Europäischen Departements im russischen Außenministeriums Michail Demurin. Nach seiner Auffassung könnte die Veranstaltung auf der Westerplatte zu einem "Politikum von fatalem erzieherischem Wert" werden: "Der polnische Premier plant unübersehbar, dass am 1. September die ganze Welt, mit alleinigem Hinweis auf die polnischen Verluste dieses Krieges, über Deutschland und Russland Gericht abhalten soll". Er fügte auch hinzu, dass man nicht vergessen solle, dass Polen die internationale Lage in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre durch seine Außenpolitik mitentscheidend beeinflusste. Demurin machte sich zuletzt als Kritiker der Verfolgung von georgischen Minderheiten in Russland einen Namen und gilt als gemäßigter Politiker. Der 1. September 2009 auf der Westerplatte wird mit Sicherheit vom Auftritt des polnischen Präsidenten gezeichnet werden, denn Kaczynski bereitet sich schon seit längerer Zeit auf dieses Großereignis intensiv vor. Es ist also damit zu rechnen, dass Deutschland und Russland in Danzig Backpfeifen bekommen werden. Dies vor allen Dingen als Gegenangriff jüdischer und anderer Historiker die heute immer öfter die polnische "nur"- Opferrolle jener Zeit in Frage stellen.

Die deutsche Wehrmacht, Marine und Luftwaffe hatten Polen am 1.9.1939 mit gewaltigen militärischen Potentialen angegriffen. Stalin verzögerte seinen mit Hitler geplanten Angriff noch bis zum 17. September, um dann von Osten kommend den fliehenden polnischen Bataillionen den Weg zu versperren, wobei es zu unzähligen Blutbädern kam. Paris und London erklärten Hitlerdeutschland den Krieg. Ma unterliess es allerdings, aus damals nicht nachvollziehbaren Gründen, auch Aggressor Sowjetunion den Krieg zu erklären. Die deutsch-sowjetische Verabredung zum Überfall auf Polen, der sog. Molotow - Rippentrop Pakt, indem u.a. eine Aufteilung der polnischen Gebiete vereinbart war, machte damit den Beginn des zweiten Weltkrieges erst einmal möglich. Aus russischer Sicht gilt aber seit eh und je nicht der 1. September 1939, sondern der 22. Juni 1941 als Beginn des zweiten Weltkrieges, an diesem Tage hatte Hitlerdeutschland mit Verbündeten Kräften aus Italien, Spanien, Ungarn, Finnland, Rumänien und der Slowakei die Sowjetunion angegriffen. Schon kurz nach diesem Datum erklärte Stalin, dass die sowjetische Besetzung Polens ein Akt der Prävention war. Weder London, noch Paris oder Washington widersprachen jemals dieser unglaublichen Behauptung.

In Polen, wo derzeit die Geschichte des letzten Jahrhunderts verstärkt (einseitig) aufgearbeitet wird, werden die Sowjets zu Recht neben Hitlerdeutschland als Initiatoren des damaligen Angriffskrieges genannt. Moskau wurde wegen der Beteiligung am Überfall auf Polen bis heute nicht international geächtet. Offen sind auch viele Fragen im Zusammenhang mit der Schuld an diesem zweiten Weltkrieg, dessen Folgen und dem Holocaust. Hier zeichnet sich seit Jahren immer mehr ab, dass neben Deutschland auch Polen, Großbritannien, Russland, Italien, den USA und anderen Ländern an den Vorausetzungen dieses Weltkriegsdramas aktiv mitgewirkt hatten. Deutschland musste nach dem Ende des Krieges sämtliche Verbrechen dieser Zeit auf sich nehmen und hatte dies auch getan, hierbei kamen auch selbst dann Kapitalverbrechen wie Morde aus Habgier oder Eiferucht auf die großdeutsche Rechnung, wenn an den abgelegensten Tatorten nachweislich niemals Deutsche gewesen waren. So werden am 1. September in Danzig mit Sicherheit auch noch viele Vertreter ehemaliger Sündernationen auf der Büßerbank fehlen oder auf der falschen Seite stehen. Angela Merkel wird aber, neben einem nervösen Putin, viel Zeit finden um nicht nur um unschuldige jüdische und polnischer Opfer jenes Krieges zu trauern, sondern auch der Millionen Deutschen gedenken können, die meist Opfer von Wahnsinnigen und Nationalisten vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg geworden waren.

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Mehr Objektivität, auch wenn es schmerzt

Geschrieben von: Michael Seitz () am 15-06-2009 12:13

Mehr Objektivität, auch wenn es schmerzt

Geschrieben von: Michael Seitz am 15-06-2009 12:13

Der Ausbruch des 2. Weltkriegs ist komplexer als gemeinhin in Geschichtsbüchern vorzufinden ist. Langsam sollte es möglich sein, mehr Objektivität walten zu lassen ohne krampfhafte 'Schuldzuweisung'. Denn der 2. Weltkrieg ist ein Produkt seiner Zeit mit vielen Akteuren. Und auch nur im Gesamtkontext seiner Zeit zu beurteilen und zu verstehen.

 

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Freitag, 12. Juni 2009
 

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