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Die Deutschen und ihre Nachbarn: Polen |
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Donnerstag, 12. März 2009 |
Die deutschen und ihre Nachbarn: Polen
Buchvorstellung
Die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen gehören wohl zu den schwierigsten, konfliktreichsten und am meisten von Unverständnis geprägten Beziehungen von europäischen Nachbarstaaten überhaupt.
Warum das so war und mit abnehmender Tendenz immer noch ist, macht der Journalist Thomas Urban in elf nicht zu langen, kompakten Kapiteln deutlich. Zu Recht beginnt er mit der Katastrophe schlechthin, die der Vernichtungskrieg Hitlerdeutschlands für Polen bedeutete. Durch eine Politik der Verkennung der realen politischen und militärischen Verhältnisse sah sich Polen in den dreißiger Jahren isoliert und wurde binnen Wochen zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR aufgeteilt, besetzt und dann einer rücksichtlosen Unterwerfung ausgesetzt. Urban macht durch manche Details das Geschehen plastisch.
Die Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen kennt aber auch Phasen des friedlichen Zusammenlebens zum beiderseitigen Vorteil - auch dafür gibt der Autor anschauliche Beispiele. Zu den Eigenheiten dieser Beziehungen gehört allerdings, dass selbst in den kurzen Zeiten einer Polen-Sympathie, ja Polen-Begeistung in Deutschland ein Unverständnis der polnischen Verhältnisse und Wünsche überwog. Die Enttäuschung war absehbar, wenn sich die zum Teil illusionären, romantischen Vorstellungen an den Realitäten brachen.
Die Geschichte Polens ist auch die Geschichte des langen Fehlens eines polnischen Staates, denn nach der dritten Teilung gab es für 123 Jahre, bis nach dem Sturz des Zarismus am Ende des ersten Weltkrieges, nur polnische Gebiete unter deutscher, österreichischer und russischer Herrschaft. Vier Karten dokumentieren Vergangenheit und Gegenwart der höchst wechselvollen Landesgrenzen. Karten zu den polnischen Teilungen fehlen unverständlicherweise.
In gewisser Weise gehört zu den Beziehungen zwischen Deutschen und Polen im zwanzigsten Jahrhundert untrennbar das jüdische Volk. Diesem Thema widmet Urban ein eigenes Kapitel. Wieso der Autor über eine bedeutende Persönlichkeit, die genau in dem Spannungsfeld zwischen diesen drei Völkern lebte und sich mit den Verhältnissen auseinandersetzte, Rosa Luxemburg, nicht ein Wort verliert, ist unklar. Luxemburg ist vermutlich in Polen noch mehr eine "Unperson" als in Deutschland, wo sie 1919 ermordet wurde. Ihre Ablehnung polnischer Eigenstaatlichkeit ist sicherlich fragwürdig, wenngleich vor dem Hintergrund ihrer sozialistischen, internationalistischen Ideologie verständlich. Sie und ihre Ansichten einfach zu ignorieren erscheint mir unzulässig.
Dafür, zu welchen Absurditäten nationale Verblendung (egal in welchem Land) in Ideologie und Alltag führen kann, gibt Urban reichlich Anschauungsmaterial. Auch dafür, dass übernationale Strukturen wie die Europäische Union und wirtschaftliche Integration dazu beitragen, den Nationalismus in Zaum zu halten. Zu den Vorzügen des sorgfältig und ansprechend gestalteten Buches gehören die Abbildungen und eine etwa vierzig Titel umfassende Literaturliste. Der Band macht neugierig auf die anderen Titel der Reihe "Die Deutschen und ihre Nachbarn".
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