Breslau - Auf ungebremster Talfahrt befindet sich Deutschlands Baumarkt- Branchenzweiter "Praktiker" im Ausland, melden Wirtschaftsblätter, nur das Geschäft in Polen soll demnach noch kleine Gewinne abwerfen - heisst es. Doch auch hier hat man sich offenbar zu früh gefreut, denn am Dienstag hat das polnische Amt für Wettbewerb und Verbraucher (OCCP) den eh schon gebeutelten Konzern auch noch mit einer Rekordstrafe in Höhe von 13 031 097 Millionen Zloty belegt, nachdem man bewiesen haben will, dass Praktiker gemeinsam mit "Obi", "Castorama" sowie "Leroy Merlin" nicht nur Warenpreise sondern auch Löhne abgesprochen haben sollen. In dem schwerwiegenden Fall ermittelte das OCCP mehrere Jahre. Auf die Spur des Baumarktkartells kamen Inspektoren der Behörde durch einen Hinweis und der hieraus resultierenden Überwachung des Email- Verkehrs zwischen den Beteiligten. Mit ihm Boot der Kartellbanditen soll auch der niederländische Lackhersteller "Akzo Nobel" gesessen haben.
Akzo Nobel und die vier Baumarktkonzerne Castorama , Leroy Merlin (beide Frankreich), OBI und Praktiker (beide Deutschland) haben laut OCCP mehrere geheime Verträge abgeschlossen, den ersten hiervon bereits im Jahre 2003. So setzten sie zum Beispiel einen Mindestpreis für ihre Farben und Lacke an. Der Lieferant aus Holland unterzeichnete freudig mit. Ab dem Jahre 2006 soll man dann die Produktpalette erheblich erweitert haben und somit die Kunden auch bei Tapeten, Sanitärartikeln, Fliesen und Dachziegeln um einen günstigeren Einkaufspreis gebracht haben.
Die für polnische Verhältnisse nahezu gigantischen Strafen wollen aber nicht alle beteiligten Konzerne bezahlen. Castorama behauptet nicht nur die ganze Verschwörung aufgedeckt zu haben, sondern auch in den Kampf gegen das Kartell auf Seiten der Behörden gestanden zu haben. Derartigen Beistand will auch Akzo Nobel geleistet haben und muss deshalb auch "nur" wie Castorama 10 336 188 Zloty Strafe zahlen. Leroy Merlin bekam mit 28 428 898 zl die höchste Strafe gefolgt von Obi mit ca. 20 Millionen. Die Strafen sind allerdings noch nicht rechtskräftig, da noch eine gesetzliche Einspruchsfrist läuft.
Natürlich haben Baumärkte gerde wegen der ebenfalls nicht schlafenden Konkurrenz laufend mit Gewinneinbußen zu kämpfen, doch wenn Sie z.B. in Polen keine Gewinne machen, obwohl sie hier gerade mal nur 30 % der Personalkosten wie in Deutschland oder Frankreich haben, dann liegt es einwandfrei an ihrer Strategie. Wir wissen, dass die Konzerne im Kampf um die Standorte hier teils riesige Provisionen/Schmiergelder lassen mussten. Besonders erfolgreich war bei der Standortsuche damals schon Praktiker. Doch man war zu gierig. Es gibt einfach zu viele Märkte hiervon in Polen und manche sind deshalb einfach leer. Und wenn man hier nicht umgehend Konsequenzen zieht, wird die Hoffnung "Ost" für Praktiker noch zum Albtraum.
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