Deutsche Architekturbüros haben gute Chancen, Wettbewerbe in Polen zu gewinnen. Gefragt ist dort vor allem spezielles Know-how zur Gebäudesanierung. An internationale Ausschreibungen und Wettbewerbe kommen deutsche Architekten über die Bundesarchitektenkammer, die das Netzwerk Architekturexport NAX ins Leben gerufen hat. Dieses Netzwerk will laut Leiterin Gabriele Schindler das Ansehen deutscher Architektur im Ausland verbessern, deren Chancen erhöhen und ausländische Investoren von der hohen Planungsqualität in Deutschland überzeugen. NAX sei eine Plattform zum Informationsaustausch zwischen Planern, über die sich die richtigen Ansprechpartner finden ließen.Ausschreibungen in Polen sind über das NAX teilweise in deutscher Sprache erhältlich, teilweise aber nur in der Originalsprache. Das Netzwerk geht davon aus, dass deutsche Architekten ohnehin lokale Partnerbüros einschalten. Diese helfen bei den Formalitäten. In den meisten Fällen von grenzüberschreitenden Architekturleistungen in Polen handelt es sich laut Schindler um deutsche Architekten, die über polnische Sprachkenntnisse verfügen oder eine enge Affinität zu Polen haben. Deutsche Architekten mit Erfahrungen in speziellen Bereichen sind klar im Vorteil. Vor allem auf dem Gebiet der Sanierung und Revitalisierung von Innenstädten, beim Bau von Kliniken und Krankenhäusern und bei der Entwicklung von Infrastrukturmaßnahmen. Zu den Stärken deutscher Anbieter zählen die Anwendung von Fotovoltaik, sowie die Wärme- und Lärmdämmung. Bei Neubauten sind die Auftraggeber durchaus offen für außergewöhnliche und prestigeträchtige Entwürfe. Das Architekturbüro RKW (Rhode, Kellermann und Wawrowsky) aus Düsseldorf gewann Ende 2004 einen öffentlichen Wettbewerb zum Bau des Appellationsgerichts nebst Ausbildungszentrum in Krakau. Auf einer Fläche von 0,84 ha entsteht ein vier- bis fünfgeschossiges Gebäude mit 22.400 qm Fläche. RKW ist außerdem in Berlin, Frankfurt am Main und Leipzig vertreten. Seit 1999 hat das Unternehmen auch eine Niederlassung in Warschau. Diese hat bereits mehrere Aufträge erhalten und errichtet unter anderem eine luxuriöse Wohnanlage in der Hauptstadt. Dort entwarf das Architektenbüro auch für einen privaten Bauherrn ein modernes Bürogebäude "Articom Centre" direkt neben dem Außenministerium, das inzwischen von diesem genutzt wird. Die Holger Kleine Gesellschaft von Architekten mbh aus Berlin gewann einen offenen, zweiphasigen Wettbewerb von 2002 mit zunächst 374 Teilnehmern zum Bau des neuen Gebäudes der Deutschen Botschaft in Warschau. Die Kosten für den 2007 fertigzustellenden Baukomplex - bestehend aus Kanzlei, Botschafterresidenz und Konsulat sowie Außenanlagen - werden auf 18 Mill. Euro veranschlagt. Das Architekturbüro Maske + Suhren aus Berlin hatte im März 2005 einen Wettbewerb zum Neubau von Stadthäusern in der Danziger Altstadt gewonnen. Dort befinden sich zu füllende Baulücken. An drei Stellen sollen maximal drei bis fünf moderne Häuser errichtet werden, die sich stilistisch in die Reihe der übrigen historischen Kaufmannshäuser einfügen. Die Baukosten pro Baulücke werden auf 2 Mill. bis 3 Mill. Euro veranschlagt. Maske + Suhren sucht derzeit einen Investor für diese Projekte. Die künftige Nutzung der Gebäude, etwa als Büros, Hotel oder Geschäfte, ist flexibel. Dass auch kleine Architekturbüros in Polen zum Zuge kommen können, beweist die siebenköpfige Firma Peters und Wormuth aus Berlin. Dieses Büro plante in Westpommern den Ferienhauskomplex Wiselka/Insel Wollin mit acht Einheiten. Das Auftragsvolumen betrug rund 800.000 Euro netto. Peters und Wormuth wurde dabei unterstützt von einem ortsansässigen Architekturbüro, das bei der Baugenehmigung half. Die Zusammenarbeit verlief laut Nils Peters sehr gut, da der deutsch-polnische Bauherr bei allen Arbeiten aktiv involviert war und dabei half, die Probleme zu lösen. Dem Büro Peters und Wormuth liegt nach eigenen Angaben eine anfängliche Planung für 50 weitere Ferienhäuser vor. Außerdem erwartet es einen Auftrag aus Warschau. Der polnische Markt ist laut Peters genauso interessant wie alle anderen europäischen Märkte. Die Nähe Berlins zum westlichen Polen sei hier ausschlaggebend. Auf der anderen Seite der Grenze seien kaum Vorurteile gegen die Beteiligung deutscher Architekten bei Projekten zu spüren gewesen. Manche Architekten, Ingenieure und Stadtplaner aus Deutschland und Polen schauen derzeit mit Sorge auf den wachsenden EU-Binnenmarkt und die zunehmende Liberalisierung der grenzüberschreitenden Dienstleistungen, die eine bis 2009 in nationales Recht umzusetzende EU-Richtlinie bewirken soll. Während deutsche Architekten sich vor vermeintlicher Billigkonkurrenz aus dem Osten fürchten, bangen polnische Architekten, wichtige Aufträge an große und leistungsfähige Büros aus Westeuropa zu verlieren. Das Netzwerk Architekturexport NAX aus Berlin will helfen, solche Ängste abzubauen und die Bereitschaft zu grenzüberschreitenden Kooperationen zum Nutzen beider Seiten zu erhöhen. Von Beatrice Repetzki, bfai
Neuere Artikel
Beliebte Artikel dieser Kategorie |