Dubai - Nur 24 Stunden hat die Polizei von Dubai nach eigenen Angaben gebraucht, um die Haupttäter des Mordes an Hamas Waffenhändler al-Mabhouh im "Al Bustan Rotana" Hotel zu identifizieren und überführen, nachdem die Auswertung der Überwachungs-Videos vom Hotel und dem Fughafengelände der Stadt vom 19. Januar abgeschlossen war. Dubai ist schockiert über die Dreistigkeit von ausländischen Geheimdienstlern die auf fremdem Territorium morden und verlangt nun von einer ganzen Reihe von Staaten, hierunter auch Deutschland Österreich und die Schweiz, mit allen Mitteln die flüchtigen Täter zu verfolgen und lückenlose Aufklärung zu betreiben. 11 der mutmaßlichen Täter waren aus Europa nach Dubai gekommen, einige hiervon auch aus Deutschland und der Schweiz, wohin sie auch unmittelbar nach dem Attentat wieder zurückkehrten.
Herkunft der Pässe mysteriös
Insgesamt 19 Personen sollen an dem Mord an al-Mabhouh in Dubai beteiligt gewesen sein, 13 hiervon seien identifiziert, heisst es in einer letzten Meldung aus dem Emirat. Elf der Täter hatten nach dem Anschlag innerhalb weniger Stunden Kuwait wieder verlassen. 2 Mittäter palästinensicher Herkunft wurden in Jordanien gefasst und kurzerhand ausgeliefert. 6 weitere verdächtige Personen, welche vor Ort das Verbrechen vorbereitet haben sollen, konnte die Polizei noch nicht identifizieren. Die Haupttäter stehen fest, von ihnen gibt es hunderte Bildaufnahmen. Auch Kopien ihrer europäischen Pässe, von denen man noch nicht hundertprozentig weiss ob sie echt oder falsch waren, liegen den Behörden vor. Polizei in Dubai glaubt, dass der Mord die Handschrift einer sorgfältig geplanten Operation des israelischen Geheimdienstes Mossad trägt. Israel hat sich bisher geweigert zuzugeben, dass man beteiligt war, doch die Beweise sind erdrückend.
Täter kamen aus Europa
Mabhouh starb nur fünf Stunden nachdem er aus Syrien kommen in Dubai gelandet war. Nach dem bisher bekanntem Ergebnis der Ermittlungen könnte der Mossad selbst den Hamas Mann in eine Falle gelockt haben, wobei der Anreiz für Mabhouh, sein sicheres Exil in Syrien zu verlassen, möglicherweise ein vorgetäuschtes Waffengeschäft war. Nach der Auswertung von fast 30 Stunden Videomaterial hatte die Polizei eine Minute-by-Minute Rekonstruktion erstellt, die sich dann wie eine Trefferliste entfaltete. Das 11-köpfige Mordkommando war in Dubai am 18. Januar in Linienmaschinen aus Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz angekommen. Alle waren wie Unternehmer gekleidet, hatten Trolley-Koffer und Laptops und fielen somit unter den anderen Passagieren nicht auf.
Blonde Mörderin liess sich Gepäck tragen
Sie checkten in verschiedenen Hotels ein. Das einzige weibliche Mitglied des Teams, eine junge blonde Frau, die einen irischen Pass auf den Namen Gail Folliard im "Al Bustan Rotana" Hotel vorlegte, wurde dabei gefilmt, als sie eines Hotelpagen in Anspruch nahm ihre Tasche zu tragen. Zehn Minuten später erschien ein weiteres Mitglied des Teams an der Rezeption dieses Hotels. der Mann besaß ebenfalls einen irischen Pass und nannte sich Kevin Daveron. Um 2.29 Uhr früh erschien auch der mutmaßliche Anführer des Mordkommandos im Al Bustan und wies sich mit einem französischen Pass als Peter Elvinger aus. Er war auch schon am Flughafen in Kameras geraten, wo er in Begleitung eines weiteren Täters war. Sie verliessen das Gelände des Dubai-Airports allerdings in entgegengesetzter Richtung.
Kommandozentrum in Österreich
Nach ein paar Stunden Schlaf begann sich das Team "unauffällig" in einem Einkaufszentrum zu versammeln. Man sprach sich aber nicht gegenseitig an, sondern verwendete eine Reihe von Telefonnummern die allesamt zu einem Kommandozentrum in Österreich geführt haben sollen. "Elvinger", der ein trug nun ein gestreiftes T-Shirt, einen Rucksack sowie eine Mütze um sein Gesicht zu verbergen trug erschien um 10.30. Ihm folgten fünf weitere Mitglieder des Teams einschließlich der Frau. Zwei Stunden später verliessen die Verdächtigen das Einkaufszentrum in Richtung ihrer Hotels. Einer von ihnen trug Einkaufstüten. Kevin Daveron ging zu einem anderen Hotel, wo er in den Toiletten verschwand, um diese mit Perücke und Brille wieder zu verlassen und dann erneut gegen 13.30 Uhr auf das Team zu stossen.
Opfer permanent überwacht
Um 14 Uhr kam eine erste Gruppe des Mordkommandos in Tennis- Kleidung zum Al-Bustan Hotel. Ein weiteres Team wartete in einem anderen Hotel auf Anweisungen. Um 15.20 Uhr war der Palästinenser Mahmud Mabhuh mit falschem Pass aus Damaskus kommend in Dubai eingetroffen. Hier warteten bereits Mitglieder des Kommandos erwartungsvoll auf ihn. Das Opfer rief ein Taxi und fuhr zum Al-Bustan. Einer der "Tennisspieler" mit falschem Schnurrbart und Brille folgte ihm im Aufzug bis zu seinem Zimmer Nr. 230. Elvinger befand sich in der 237 und stand in Funkverbindung mit dem Verfolger. Um 16 Uhr kam ein weiteres Team des Mordkommandos in Sportkleidung in das Hotel. Mabhuh verließ das Hotel um 16.23 Uhr, dicht gefolgt von einem der Überwachung Teams.
Lächelnd gingen die Mörder ans Werk
Während die Hamas-Führer ausserhalb des Hauses war, versuchten die Täter eifrig in sein Zimmer einzubrechen. Vier stämmige Männer, mit tief ins Gesicht gezogenen Mützen, waren um 16.32 Uhr angekommen. Ihnen folgte "Gail Folliard" im Strohhut. Zusammen mit dem ebenfalls erschienenen "Kevin Daveron" hielt sie als unschuldig aussehendes Paar Ausschau auf dem Flur. Die Türöffnung klappte offenbar nicht richtig und man entschloss sich den Plan zu ändern. Als Mahmud Mabhuh am 19. Januar um 20.24 Uhr das Hotel in kariertem Hemd, Jacke und Jeans und mit einer weißen Plastiktüte in der Hand wieder betrat, hatte er nur wenige Minuten zu leben. Kaum hatte er sein Zimmer betreten erschien "Gail Folliard" auf dem Flur und sah breit grinsend zu, wie die vier stämmigsten Mitglieder des Teams zur Arbeit gingen.
Mabhuh wahrscheinlich auch gefoltert
Was in den nächsten 22 Minuten geschah, hat die Polizei noch nicht freigegeben. Mabhuh muss dann seinen Mördern die Tür geöffnet haben. Sie haben ihn dann "festgenagelt", wahrscheinlich noch mit Hilfe von Elektroschockern verhört und dann erstickt. Wie sie es geschafft haben, die Tür von innen zu verriegeln, bevor sie gingen, ist noch unklar. Aufschlussreich erscheint aber, dass einer der vier Mörder beim Verlassen des Hotels einen Verband am Arm trug. Schon um 22.30 Uhr wurden die Frau und Daveron am Airport gefilmt, während sie auf ihren Flug nach Paris warteten. Der Rest des Kommandos setzte sich in den dann folgenden 12 Stunden Richtung Hongkong oder Europa ab. Die Leiche Mabhuhs wurde am 20. Januar um 13.30 entdeckt, da waren seine Mörder schon tausende Kilometer entfernt.
Das Video der Polizei zum Nachvollziehen der Ereignisse
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Mossad und Co
Geschrieben von: Karsten () am 24-02-2010 08:04