Ich war ein weit bekannter Sänger, doch irgendwann wurde auch meine Stimme alt und ich verfiel wegen dem diesem Umstand begleitenden Spot und Hohn dem Alkohol. Meine Freunde wurden immer weniger, mein Geld auch. Bis dann der Boss meiner Plattenfirma einen genialen Einfall hatte und mir vorschlug doch einfach zu sterben. Als ich daraufhin einfach aufstand um zu gehen, hielt er mich fest und sagte: "Ich meine doch nicht richtig sterben, sondern nur so tun als ob". Ich wusste immer noch nicht was er damit meinte und setzte mich wieder hin. Nun spudelte es aus meinem Gegenüber nur so heraus: "Du weisst Du bist am Ende. Deine Musik verkauft sich nicht mehr und dein Gesicht passt auch nicht mehr zu deiner Stimme und den früher erfolgreichen Themen. Du musst also deine aktuelle Tragödie verkaufen und das geht nur über einen möglichst spektakulären Tod, womit Du dich auch automatisch deiner Schulden entledigst. Natürlich wirst Du nicht selbst sterben, sondern nur ein anderer mit deinem Namen. Wofür haben wir denn heute das Internet? Hier wird es doch leicht sein in den behördlichen Listen von unbekannten Toten auch eine Dramatik zu finden die zu Dir passt. Das Todesdatum dieser Person darf natürlich nicht vor dem Zeitpunkt liegen als deine Freunde und Bekannte dich zuletzt sahen. Dann erzählst Du alles deiner Frau, denn irgendjemand muss dich später identifizieren und das kann wohl nicht irgendjemand machen. Dann verschwindest Du über eine Schengengrenze, lässt dir die Zotteln abschneiden und färbst denn Rest grau. Nachdem Du dir dann auch noch deine Augenbrauen beschnitten und koloriert hast kleidest Du dich mit Billigkram von C & A neu ein. Nicht einmal deine Mutter wird jetzt mehr glauben, dass Du ihr Sohn bist und die Investition von 20 000.- Euro für einen echten neuen Pass der dich fortan nicht mehr als Gerd sondern Rolf ausweist, wird sich schon bald amortisieren.
Unterdessen hat deine Frau bereits einen passendes Opfer für dich auf einer Liste von unbekannten Toten aus Berlin herausgefiltert. Der Mann war von einem U-Bahn Zug überfahren worden und konnte auch aufgrund seiner Kopfverletzungen von niemanden identifiziert werden. Seine Leiche besitzt aber auch einen Totenschein, den aber ohne Namen und Herkunft, also blanko. Das ist auch gut so, denn wenn deine Frau nun bestätigt, dass sie dich an deinem dicken Zeh oder Penis erkannt hat, wirst Du umgehend und amtlich für tot erklärt. Und Du kannst dir nicht vorstellen wie sich dann plötzlich deine alten Schmalzsongs wieder verkaufen, möglicherweise sogar better than ever, Verstanden ?"
Nun, es lief alles nach Plan. Heute lebe ich als vermögender Rentner in meiner Villa am Rande von Johannesburg in Südafrika. Einige Monate nach meinem Tode zog meine Frau nach Mallorca um sich mir langsam zu nähern. Mit dem Gelde meiner Lebensversicherung kaufte sie Immobilien. Drei weitere Jahre musste ich dann warten bis sie dann alle unsere Freunde und Bekannten letztendlich abgeschüttelt hatte und auch nach Afrika kommen konnte. Noch heute lachen wir kräftig wenn wir unsere Kollektion von Zeitungsartikeln über meinen Tod unter einem rostigen Berliner U-Bahn Waggon durchblättern. Die Schlagzeile der Bild Zeitung "Gott hat´s ihm gegeben, Gott hat´s ihm genommen" haben wir zum Andenken über unserer Haustüre eingravieren lassen, allerdings umgekehrt.
So oder ähnlich wie Gerd werden wohl auch andere alternde prominente Künstler aus dem Leben geschieden sein. Sicher ein Michael Jackson, Kurt Cobain, Falko, Freddie Mercury, Jim Morrison, Roy Black, Jimi Hendrix oder eine Janis Joplin, aber ebenso bestimmt und nicht weniger spektakulärer Politiker wie Uwe Barschel, Lech Kaczyński, Andrzej Lepper oder Jörg Haider, wobei fast alle wohl freiwillig auf die Auszahlung ihrer Lebensversicherungen verzichtet haben dürften, um die Gesellschaften nicht auch noch in die Betrügereien zu verwickeln.
Einer der sogar schon zweimal tot war, jedoch in keinem Falle seine Lebensversicherung in Anspruch nahm ist der polnische "Geschäftsmann" Zdzislaw W. der am Freitag in Poznan wegen Urkundenfälschung und Betrug zu vier Jahren Haft verurteilt wurde. Er ist ein gerissener Serienbetrüger der immer dann wenn ihm die Polizei zu nahe kam schnell verstarb. Er überzeugte jeweils sogar die Justizbehörden dass er tot war, und dies gleich zweimal. Dies brachte ihm unterdessen nicht nur in der Unterwelt eine Art Ruhm ein. So starb er zum Beispiel in Bytom an einem Herzinfarkt, in Gdynia überrollte ihn ein Zug, während er in Wahrheit bereits mit neuer Identität als Betrüger unterwegs war.
Zum ersten Male wurde Zdzislaw W. vor sieben Jahren unter den Tränen seiner Witwe zu Grabe getragen, nachdem ihm in Breslau bereits mehrere Jahre Haft wegen Betruges drohten. So musste er sich mit Hilfe eines Arztes einen Totenschein besorgen und um die Leiche eines Unbekannten kümmern. Der korrupte Mediziner hatte allerdings den betreffenden Totenschein mit dem Stempel eines Kollegen versehen, was dann durch Zufall herauskam und die familiäre Trauer um ihn auf etwa ein Jahr begrenzte. Erneut begann die polizeiliche Jagd auf W. doch der entzog sich dieses Mal durch Selbstmord der Verantwortung.
Die Idee für seinen zweiten Tod hatte ausgerechnet ein Polizist aus Pommern. Zu Beginn des Jahres 2006 war in Gdynia ein Zug über einen unbekannten Mann gefahren. Drei Monate später meldete ein "Freund" bei der Polizeistation wo der korrupte Beamte arbeitete Zdzislaw W. als vermisst. Man zeigte ihm Bilder von nicht identifizierten Leichen. Ohne zu zögern identifizierte er den Selbstmörder von den Schienen als Zdzislaw W. Am Tage darauf ging der "Freund" dann in die Leichenhalle liess sich einen Totenschein ausstellen und arrangierte anschliessend Beerdigung Nummer zwei für den Betrüger, an dessen Grabe es dann auch nie an frischen Blumen fehlte.
In der Zwischenzeit hatte sich Zdzislaw W. bereits einen neuen Pass und Führerschein aus Frankreich besorgt und reiste damit als Alain F. nach Ungarn und Cap Verde. Die notwendigen Fotos für seine Personaldokumente hatte er selbst von Hand eingefügt. Und wieder betrog er Mensch und Gesellschaft indem er sich als Vermittler für gestohlene Fahrzeuge betätigte. Aber der Genuss seines dritten Lebens dauerte auch nicht lange. Zwei Jahre nach seiner letzten Beerdigung flog nämlich der korrupte Polizist aus Pommern auf und der hatte fein säuberlich Buch über seine Missetaten geführt.
Diejenigen welche also auch schon die Leichen og. falscher Toter identifiziert haben, waren also direkte Mittäter. Im Falle des polnischen Präsidenten Lech Kaczyński war dies sein Bruder und Ex- Premier Jarosław. Politiker sind sich eben auch für nichts zu schade, deshalb werden sie auch nie wirklich, sondern nur angeblich bestraft.
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Auferstehung - Weihnachten bis Ostern
Geschrieben von: Gast () am 16-10-2011 04:51