Am Donnerstag waren etwa 1000 beschriebene Din A4 Seiten aus Langley (Virginia) der Zentrale des amerikanischen Geheimdienstes CIA in Warschau eingegangen. Empfänger war das Nationale Institut der Erinnerung (IPN) in Warschau, welches sich noch in der Nacht daran machte die brisanten Dokumente über die Vorbereitungen zur Einführung des Kriegsrechtes am 13. Dezember 1981 in Polen auszuwerten. Nach einem ersten Überblick sieht es nicht sehr gut aus für den damaligen Staatschef General Wojciech Jaruzelski, der immer betont hatte dass er aus der Not heraus mit dem Kriegsrecht eine russische Invasion im Lande verhindert habe und deshalb eigentlich als Held gefeiert werden müsse und nicht vor Gericht stehen könne, wie es ihm derzeit widerfahre. Nach dem vorliegenden Bericht der CIA, welcher überwiegend aus Unterlagen eines inzwischen verstorbenen polnischen Agenten resultiert, haben Jaruzelski und sein damaliger Innenminister General Kiszczak mit Wissen und Akzeptanz Moskaus das Kriegsrecht forciert um die eigene Macht und die der Partei weiterhin zu garantieren. Die Sowjets hatten offensichtlich hierbei mit logistischer- und moralischer Unterstützung und dem Einsatz ihrer 30 besten Agenten die unmenschliche Aktion der beiden Generäle unterstützt.
Kukliński: "Der Einmarsch von "Warschauer Pakt" Truppen war geplant für Anfang Dezember 1981, doch hierzu kam es nicht, da die "Vereinigte Arbeiterpartei" und die polnische Regierung entschlossen waren die inneren Unruhen durch die Mobilmachung des eigenen Heeres zu beschwichtigen." Schon im Februar 1981 hatte Ryszard Kukliński dem CIA berichtet, dass man in Warschau schnelle Vorbereitungen zur Einführung des Kriegsrechtes betreibe. " Die Mehrheit des jüngeren Offizierskaders und Soldaten der polnischen Armee unterstützen den Geist der Gewerkschaft "Solidarität", bei den höheren Offizierskadern dagegen ist die Meinung geteilt" - schrieb der im Jahre 2004 in den USA verstorbene polnische Top Agent Oberst Kukliński. Im darauffolgenden April berichtete er dem CIA, dass das russische Außenministerium aus Warschau eingegangenen Dokumente zur geplanten Einführung des Kriegsrechtes übersetzt habe und 30 führende Mitarbeiter des KGB, des Verteidigungs- und Wirtschaftsministeriums zu Beratungen zum Kriegsrecht nach Polen entsandt hat.
Bald darauf schreibt Kukliński an die Zentrale des CIA, dass General Jaruzelski in eine Art Depression verfallen sei, nachdem er Kenntnis vom Inhalt der russischen Dokumente mit Vorschlägen zur Vorbereitung des Kriegszustandes in Polen erhalten hatte. "Jaruzelski hat dazu gesagt, dass er in den dunkelsten Ecken seines Geistes keine Gedanken finde, dass man so etwas wie einen Kriegszustand in Polen einführen könne". Im Juni meldete Kukliński dass sowjetische Familien mit Kindern aus Polen in die UdSSR gebracht würden. Er erteilte ebenso Auskunft dass Gruppen von Milizen mit ihrem Eintritt in die Gewerkschaft drohen und ebenso bereits ein ganzes Kommando der "Solidarität" beigetreten sei". Kukliński Aussagen sind allerdings zeitweilig widersprüchlich und kontradiktorisch was das Thema eines möglichen sowjetischen Einmarsches in Polen betrifft. Anfang Juni schrieb er: "Die Sowjets möchten eine militärische Intervention in Polen um jeden Preis vermeiden". Und dann Mitte Juni 1981: "Sowjetische Dokumente weisen darauf hin, dass die UdSSR mit Hochdampf Vorbereitungen zu einer militärischen Intervention trifft".
Entscheidender Hinweis auf Maßnahmen zur Erhaltung der Macht der polnischen "Vereinigten Arbeiterpartei" und Jaruzelski kommt dann im Juni von Oberst Kukliński: "Jaruzelski ist davon überzeugt dass im Gegenstand die Forderungen der verbotenenen Gewerkschaft "Solidarität" unmittelbar zur Demontage der Regierung führe und auch die Partei die Macht hierbei die Machtverliere. In diesem Kontext folgt die bedeutsame Versteifung der Haltung Jaruzelskis und seiner Bereitschaft zur Einführung des Kriegszustandes" - schrieb Kukliński. Das Nationale Institut der Erinnerung (IPN) in Warschau sieht nach Auswertung der CIA Akten alleine Jaruzelski und Co. als Schuldige des Kriegszustandes 1981 in Polen. Eine sowjetische, militärische Intervention wäre nach ihrer Ansicht allerdings auch möglich gewesen, aber dies nur auf Wunsch der damaligen Machthaber in Polen. Mehr als den Sowjets, war es offensichtlich demnach Jaruzelski wichtig, den eigenen Machtapparat zu erhalten. Ein Druck Moskaus auf ihn sei aus den Unterlagen nicht zu erkennen.
Echo in Polen:
"Es gab keine Bedrohung einer sowjetischen Intervention im Jahre 1981 in Polen" ist durchweg die Meinung der polnischen Medien. Nur die der postkommunistischen SLD nahestehenden Zeitungen verkaufen Jaruzelski weiterhin als Helden.
General Wojciech Jaruzelski selbst sagte am Nachmittag in Warschau, dass er die Bedeutung der durch den CIA freigegebenen Dokumente nur vor Gericht kommentieren werde.
Das Nationale Institut der Erinnerung (IPN) vertritt die Auffassung dass die CIA-Dokumente alle Punkte der Anklage gegen General Wojciech Jaruzelski und seine Männer bestätigen.
Seit dem Freitag Morgen wird die Villa von General Jaruzelski verstärkt von der Polizei bewacht, auch sicherlich unter dem Aspekt, dass sich am Samstag die Ausrufung des Kriegsrechtes in Polen zum 27. Male jährt. Die wichtigsten Dokumente aus dem CIA Bericht finden Sie in englischer Sprache in unseren Downloads.
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