Portsmouth - Über eine halbe Million Polen arbeiten offiziell im laufenden Jahr in Großbritannien. Belohnt werden sie hierfür meist nur mit dem Mindeststundenlohn von knapp 6 Euro und für besonders harte Arbeit gibt es schon mal auch einen oder auch zwei Pfund mehr, was dann etwa die Hälfte dessen ausmacht was der Durchschnittsbrite für vergleichbare Arbeit bekommt. Aber die Polen jammern nicht, sie schauen auch nicht den Einheimischen in die Lohntüte, sondern hoffen einfach nur auf bessere Zeiten im eigenen Lande, was ihnen nach mit im Ausland erworbenen Qualifikation eine siegreiche Rückkehr möglich macht. Britische Unternehmen und Behörden kalkulieren natürlich schon seit Jahren mit den Billigarbeitern vom Festland und man kaum glauben wo man sie überall einsetzt. Durch eine Zeitungsmeldungl wurde jetzt bekannt, dass sie sogar mit hunderten Arbeitern am Bau neuer Flugzeugträger für die britische Marine beteiligt sind. Eine erwähnenswerte Tatsache, denn erstmal seit 600 Jahren greifen die Engländer beim Bau von Schiffen wieder auf ausländische Arbeitskräfte zurück.
Für den Bau von zwei neuen Flugzeugträgern, der "Queen Elizabeth" und "Prince of Wales", mit einem jeweiligen Hubraum von 65 000 Tonnen, nimmt Generalunternehmer BAE- Sytems natürlich auch zahlreiche Subunternehmen in Anspruch. Diese verfügen z.B. über "Spezialisten" wie Schweißer oder Eisenbieger, über welche die britische Industrie ansonsten kaum noch verfügt. Der Untergang der polnischen Werfenindustrie spülte ihnen zuletzt Tausende arbeitswillige Polen aus der Branche ins Netz, die schon früher (welch Ironie) während des kalten Krieges für die Sowjets U-Boote in Danzig und Stettin zusammengeschweißt hatten und somit rechlich Erfahrung mitbrachten. Mehrere Hundertschaften polnische Arbeiter sollen derzeit am Bau der beiden neuen britischen Flaggschiffe beteiligt sein. Sie arbeiten hart für 8 Pfund pro Stunde, während ihre einheimischen Kollegen für weniger als 15 £ nicht einmal zur Arbeit erscheinen. Die Kosten für den Bau zweier Einheiten dieser Klasse werden übrigens auf etwa 5200000000 £ geschätzt.
Der gesetzliche Mindestlohn in Großbritannien beträgt 5,93 £ pro Arbeitsstunde. Was die Subunternehmer BAE Systems pro Stunde für den Einsatz polnischer Arbeiter abnehmen wissen wir nicht. Sie behaupten aber, dass man für die Löhne die man zahlen könne, keine britischen Arbeitskräfte gefunden habe. Andere erklären hierzu, man habe keine Rückmeldungen auf Inserate zur Suche nach Schweissern erhalten und musste deshalb in Polen Aquisen starten. Generell bestreiten die Subs aber, dass man Löhne nach Nationalität zahle, was ihnen natürlich keiner glaubt. Gebaut werden die Flugzeugträger "Queen Elizabeth" und "Prince of Wales" hauptsächlich in Portsmouth. Polen müssen hier einen speziellen Ausweis bei sich tragen. Sie können sich hier nicht frei bewegen, wie ihre britischen Kollegen. In Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Arbeitsschutzes geniessen sie aber auch Warnungen und Hinweise auf der Baustelle in polnischer Sprache. Polen bauen übrigens auch in in Govan (Schottland), Barrow (Cumbria County) und Tynedale (Nordost England) an Teilen der beiden Schiffe, sodass man durchaus von einer bedeutenden Beteiligung Polens am neuen Stolz der britischen Kriegsmarine sprechen kann.
Im vierzehnten Jahrhundert waren es zuletzt die Spanier und Griechen, welche die Masten für englische Piratenschiffe bauten. Ihnen war es ebenso mitzuverdanken, dass Großbritannien für vier Jahrhunderte an der Spitze der Schiffbautechnik stand und in der Lage war dies anderen zu vermittelten. Ohne diese Technik wären die Briten wahrscheinlich aber auch nie großartig zum Kolonialisieren oder gar einem Imperium gekommen und heute auf der internationalen Bühne neben Dänemark einzuordnen.
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