Der in Warschau geborene Historiker, Publizist und ehemalige Außenminister Polens Wladyslaw Bartoszewski ist ein überwältigendes Beispiel für die deutsch-polnische Aussöhnung und Freundschaft. Obwohl er sehr in Auschwitz und unter den deutschen Besatzern gelitten hatte, schlug er nicht den Weg der Rache und Vergeltung ein, sondern entschied sich dafür, den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen und sich für die Versöhnung zwischen Polen und Deutschen einzusetzen.
Wladyslaw Bartoszewski, Historiker und Publizist, wurde 1922 in Warschau geboren. 1939 machte er das Abitur, eines der Fächer war Deutsch. Nach dem Überfall Hitlers auf Polen nahm er Kontakt zum Widerstand auf. Er wurde im September 1940, nach einer Razzia gegen polnische Intellektuelle, ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt und im April 1941 schwer erkrankt entlassen. Während des Studiums an der geheimen Warschauer Universität begründete er mit anderen eine katholische Hilfsaktion zugunsten der verfolgten Juden des Warschauer Ghettos. Er nahm 1944 am Warschauer Aufstand teil. Nach kurzer Tätigkeit als Journalist geriet er ins Visier der Kommunisten, die inzwischen die Macht in Polen übernommen hatten. Insgesamt sechs Jahre verbrachte er in stalinistischen Gefängnissen. Nach der Rehabilitation im Jahr 1955 konnte er wieder als Publizist und Wissenschaftler arbeiten. Sein politisches Engagement führte ihn in die Gewerkschaft Solidarnosc. Nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen wurde er 1981 erneut verhaftet und schließlich durch die Hilfe jüdischer Freunde befreit. In den Folgejahren pflegte Bartoszewski u. a. als Gastprofessor in München, Eichstätt und Augsburg enge und ausgleichende Kontakte zum ehemaligen Feind Deutschland. Nach der Wende bekleidete er von 1990 bis 1995 das Amt des polnischen Botschafters in Wien, vom Juni 2000 bis zum September 2001 war er Minister für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Polen. Die unverwechselbare Persönlichkeit Bartoszewskis und sein Lebenslauf reflektieren das Profil eines polnischen Patrioten, eines glaubwürdigen Christen, eines Journalisten und Zeithistorikers, der persönliches Erleben stets mit der Objektivität des Wissenschaftlers zu verbinden vermag. Viele ehemalige Studenten jener deutschen Universitäten, die Bartoszewski als Gastprofessor kennengelernt haben, wissen aus eigener Anschauung, wie er in seiner Doppelrolle als politisch aktiver Mensch und reflektierender Historiker gerade junge Menschen für den Aufbau einer versöhnten Völkergemeinschaft in europäischen Dimensionen zu begeistern sucht und zu begeistern vermag. Als denjenigen, der sich unter Todesgefahr für die verfolgten Juden des Warschauer Getthos eingesetzt hat, wurde Bartoszewski 1991 zum Ehrenbürger des Staates Israel gemacht. Dem Pionier der deutsch-polnischen Aussöhnung, der wie kaum ein anderer polnischer Intelektueller und Staatsmann zum Freund der Deutschen geworden ist, galt 1986 die Auszeichnung mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 1997 wurde ihm als erstem polnischen Staatsbürger das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Top Artikel
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