STOCKHOLM - Der wegen angeblicher Beteiligung am Diebstahl der Auschwitz- Tafel "Arbeit macht frei" gesuchte Schwede Anders Högström ist am Donnerstag in Stockholm vorläufig festgenommen worden. Nach Angaben der schwedischen Staatsanwältin Agnetha Hilding lag gegen den 34-jährigen ein Europäischer Haftbefehl aus Polen vor. Er soll nun in Anwesenheit seines Anwalts von der Polizei zu den Vorwürfen gehört werden, danach werden die Behörden darüber entscheiden ob Högström ausgeliefert wird oder nicht. Schwedens Polizeichef hatte allerdings schon kurz nach dem Eingang des polnischen Haftbefehles klar gemacht, dass der Diebstahl der Gedenktafel in Schweden nur als "kleines Vergehen" bestraft werden könne. Die Tat sei von ihrer rechtlichen Relevanz her vergleichbar mit der Entwendung eines Hinweis-Schildes "Achtung Wildwechsel" durch einen ausländischen Touristen.
Anders Högström hat sich wahrscheinlich selbst auf den Weg zur Polizei gemacht, denn er war erst kürzlich von Karlskrona nach Stockholm gezogen und hatte nach eigenen Angaben keine Absicht sich vor den Behörden zu verstecken. Bertil Olofsson, Leiter der Abteilung zur Bekämpfung internationaler Kriminalität bei der schwedischen Polizei, sagte am Dienstag der Tageszeitung "Laens Tidning Blekinge", dass man mit Sicherheit keine Streife oder gar ein Einsatzkommando zu Högström senden werde, um ihn festzunehmen, denn nach schwedischem Recht müssen derartige Einsätze nach Verhältnismäßigkeit durchgeführt werden, was bei dem Verdacht der Anstiftung zum Diebstahl eines Schildes wohl nicht passe.
Auch Anders Högström sprach mit "Laens Tidning Blekinge" und gab an, dass er bereit war sich den polnischen Behörden zwecks Vernehmung freiwillig zu stellen. Er sei unschuldig und hatte Zweifel an der polnischen Rechtsordnung bekommen als er erfahren musste, dass ein Staatsanwalt in Krakau an ihm für das Schicksal von Verwandten Rache nehmen wolle, die in Auschwitz inhaftiert gewesen sein sollen. Högström beklagte in diesem Zusammenhang auch, dass die polnische Polizei im Laufe der Untersuchungen wiederholt gegen eine "gemeinsam Vereinbarung" verstossen habe. Die historische Aufschrift über dem Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz war am 18. Dezember des vergangenen Jahres gestohlen worden und hatte vor allen Dingen in Polen und Deutschland Aufschreie der Empörung ausgelöst.
Der Fall ist aus der Sicht von "Polskaweb" nicht ohne Mysteriösitäten und insgesamt wenig logisch nachvollziehbar. Mit einer Auslieferung Högströms muss man nicht rechnen. Schon vor 10 Tagen hatte die Staatsanwaltschaft Krakau überraschend entschieden, ohne den Schweden erst einmal gegen die Diebe Anklage zu erheben. Ob überhaupt jemand bestraft werden wird ist offen. Eins hat der "spektakuläre Diebstahl" allerdings erzeugt, nämlich ein Einläuten des nahenden Besuches von Israels Premier Netanjahu, der weltweite Aufmerksamkeit für seine Rede in Auschwitz brauchte, denn es ging schliesslich darum, mit den jüdischen Opfern des Holocaust, Israels mörderische Politik Israels im Ghaza- Streifen zu rechtfertigen.
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