KRAKAU - der weltbewegende Diebstahl der Gedenktafel am Haupteingang des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz entwickelt sich zur Seifenoper. Anlass hierzu lieferte in erster Linie zuständige Polizisten in Kleinpolen, die sich in Pressekonferenzen mehr als einmal deutlich wiedersprachen und hiermit Raum für nicht nachvollziehbare Spekulationen der in- und ausländischen Medien schufen. Die neueste Version der Behörden, zu lesen in der "Gazeta Wyborcza", möchten wir unseren Lesern ersparen, denn aus unserer Sicht haben auch die neuesten Veröffentlichungen von Ermittlungsergebnissen der polnischen Polizei und der Medien in ihren Merkwürdigkeiten noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Auszugsweise zitiert heisst es nun am Donnerstag zu einer Recherche der "GW", dass es sich bei den Dieben um eine Dorf- Gang handelte, die nicht wusste was sie eigentlich stahl.
Der 29-jährige Töpfer Marcin A. mit dem Spitznahmen "Soczewa", aus dem Dorf Czerników bei Torun, soll demnach angeblich der Hauptverantwortliche des Auschwitz-Tafel-Diebstahls sein. Seine Gehilfen, ein sich oft in Holland aufhaltender 34-jähriger Mann namens Paweł S. , genannt auch "Skowronek" und zwei weitere Dorfbewohner mit den übersetzten Spitznamen "Junge Maus" und "alte Maus. Die Gang vervollständigtes sich durch einen gewissen Vladimir Z., einem Einwanderer vom Balkan.
Marcin A. und Paweł S. gingen vor zwei Jahren, auf der Suche nach "einträchtiger Arbeit", nach Schweden. Dort trafen sie auf den als angeblichen Hintermann des Diebstahls genannten 35-jährigen Anders H., der bis vor 10 Jahren Vorsitzender einer angeblich Neo- Nazistischen Gruppierung gewesen sein soll. Man sprach über Handelskontakte und Export von Baumaterialien nach Polen. Später sei es dann womöglich um den Diebstahl der historischen Auschwitz- Tafel gegangen - schreibt "Gazeta Wyborcza", die diese Erkenntnisse bei einem Besuch in der Dorfkneipe von Czerników gewonnen haben will.
In der Quintessenz von jüngsten Berichten der "GZ" und der zuständigen Polizei werden nun die "dummen" Diebe zu Opfern des Schweden. Die Behörden behaupteten bisher stets, dass es Nachbarn waren, welche die entscheidenden Hinweise auf die Täter gegeben hatten. Belohnungen sind bereits in Verteilung und selbst die an den Ermittlungen beteiligten Beamten bekamen vom polnischen Premier persönlich neue Uhren als Zeichen der Anerkennung zum schnellen Fahndunsgerfolg überreicht. Doch der Schwede selbst gibt angeblich an, dass er derjenige war, der die polnische Polizei schon kurz nach der Tat aufklärte und telefonisch fortwährend begleitete.
Ob Anders H. nun auch die Belohnungen für sich beansprucht ist nicht bekannt. Wenn es sich alles so verhalten hat, wie man jetzt in den neuesten Versionen suggeriert, dann wäre der ganze Auschwitz- Klau nur ein sehr übler Scherz des Schweden gewesen, dessen Folgen er erst einmal selbst nicht überblickte. In diesem Falle sitzen seine Opfer, die Täter, nun im Gefängnis und er bei einem schwedischen Star- Anwalt. Bleiben die widersprüchlichen Pressemeldungen der polnischen Ermittlungsbehörden, und u.a. im Zusammenhang mit dem erst einmal verschwundenem Amtshilfeersuchen an Schweden, was wiederum auf mögliche politische Hintergründe und Manipulationen hinweist.
Aufgefallen war in dem Zusammenhang auch, dass die Behörden den Trend in den Medien sehr genau beobachteten, und anschliessend dann auch zu wirren Spekulationen Ermittlungen einleiteten. Mit Spannung erwarten wir nun auf die Lösung: "Scherz oder verkorkstes Politikum", denn die ganze "Neo Nazi" Geschichte kann hinten und vorne nicht stimmen. Und was war überhaupt mit den 60 Millionen Euro, welche die deutsche Regierung am Tage des Diebstahls für Auschwitz bereitstellte ?
Update: Freitag 8.1.2010
In schwedischen Medien sind derzeit erste Fotos des angeblichen Anstifters vom Auschwitz-Diebstahl, Anders Högström, im Umlauf. Er soll angeblich in Schweden sehr bekannt sein und sich seit Jahren demokratisch- politisch engagieren. Er war laut "Aftonbladet" offizieller Gast in unzähligen Talk- Shows und Großveranstaltungen. Die Polizei in Kleinpolen gab derweil offiziell bekannt, dass Högströms Hinweise weder zur Festnahme der Diebe, noch zur Wiedererlangung der historischen Aufschrift geführt haben. Dies deutet wieder nun einmal auf mögliche Trittbrettfahrerei des Schweden hin. Aber wer hat denn dann den Auftrag zum Diebstahl der Tafel erteilt ?
Copyright © Polskaweb News
Diskutieren Sie diese Meldung in unserem Forum
Neuere Artikel
Beliebte Artikel dieser Kategorie |
|
|
Benutzerkommentare  |
|
Durschnittliche Benutzerbewertung
|
|
Fügen Sie Ihren Kommentar hinzu
|