WARSCHAU - Es fiel Historikern schon immer schwer zu erklären warum Polen, das während des zweiten Weltkrieges an der Seite der Alliierten gegen Nazi- Deutschland gekämpft hatte, am Ende zwar nicht mit leeren Händen dastand, aber ansonsten von Briten und Amerikanern nach dem Krieg im Stich gelassen wurde. Allgemein führt man dies auf die Führungsrolle Stalins bei den Konferenzen von Teheran, Casablanca, Jalta und Potsdam zurück, doch dies war nicht der einzige Grund, denn damals galt Polen nicht nur als Opfer des Krieges, was zahlreiche Bücher, Filme und Zeitzeugen belegten, sondern auch im Umgang mit seinen Minderheiten und östlichen Nachbarn als Täter. Während sich in London sogar der brutale Winston Churchill gegen die Ansprüche Polens auf die Oder-Neiße-Grenze und der Vertreibung von 9 Millionen Deutschen aussprach, war in den USA der Antipolonismus bereits im fortgeschrittenem Stadium, wobei sich auch die Film- Industrie in Hollywood ganz besonders hervortat. Der US Historiker und Schriftsteller polnischer Herkunft, Mieczyslaw Biskupski, gibt nun in einem Buch Juden und Kommunisten die Schuld an der damaligen "Vendetta".
"Während des Zweiten Weltkrieges unterstützten Hollywood-Studios die US- Kriegführung durch die Entwicklung patriotischer Filme, welche die Moral der Bevölkerung anheben sollten. Oft wurden die Kämpfer in ganz einfachen Worten porträtiert: Amerikaner und ihre Verbündeten waren Helden, alle anderen Bösewichter. Norwegen, Frankreich, die Tschechoslowakei und England waren gut, weil sie angegriffen und damit Opfer Nazi-Deutschlands wurden. Polen, ebenfalls Opfer der Deutschen, wurde aber wunderlicherweise in zahlreichen Filmen in einem negativen Licht dargestellt" - heisst es sinngemäss in der Einleitung des neuesten in englischer Sprache erschienenen Werkes von Mieczyslaw Biskupski, der hierin versucht den damals in den USA weit verbreiteten antipolnischen Ressentiments auf seine Art zu erklären. Nach dem Erscheinen des Buches vor wenigen Tagen, ging ein Aufschrei durch führende polnische Medien, hierunter auch der Gazeta Wyborcza, welche die damailgen Filmemacher aus Hollywood sowie Einwanderer aus Irland u.a. als antipolnische Rassisten verurteilen.
Biskupski wirft in "Hollywood's War With Poland 1939-1945" der Filmindustrie in den USA vor, während des Zweiten Weltkrieges, absichtlich Polen verunglimpft zu haben. Ideelle Träger solcher antipolnischen Hollywood- Produktionen seien das Weiße Haus und linke (meist jüdische) Kreise gewesen, welche mit Stalin unter einer Decke steckten. Als Beispiele für die Herstellung von Multiplikatoren Anti-polnischer Stereotypen nennt der Autor Filme wie: "In Our Time" (In unserer Zeit) und "None Shall Escape" (Niemand wird entkommen), beide aus dem Jahre 1944, sowie die beliebte Komödie "To Be Or Not To Be " (Sein oder nicht sein) von 1942. Der Autor, ein Historiker der "Connecticut State University", beschreibt diese Filme als Manifestationen des Propaganda-Krieges in den 40er Jahren, die im Einklang mit den damaligen US-Politik standen und sich unter Präsident Franklin Delano Roosevelt am besten verkaufen liessen.
"Die USA war in einem Bündnis mit Stalin und ignorierte alle Tatsachen die dem Ansehen der Sowjetunion schaden konnte, hierunter auch die Verfolgung von Polen in ihren besetzten Ostgebieten der Zweiten Republik nach dem 17. September 1939. Hollywood präsentierte Polen in einem schlechten Licht während des Zweiten Weltkriegs. Grund dafür waren u.a. "rassische" Vorurteile in den Köpfen der jüdischen Elite sowie der Einfluss der Kommunisten. Als weiteren Faktor zur schlechten Präsentation der Polen in Hollywood Filmen erkannte ich den Umstand, dass die US Filmindustrie im großen Maße von aus Polen stammenden Juden dominiert wurde, die dort Erinnerungen an Antisemitismus und Diskriminierung verarbeiteten" - schreibt der Autor und verweist in diesem Zusammenhang auf seine Analyse von Memoiren, Briefen, Tagebüchern und Aufzeichnungen von Drehbuchautoren, Regisseuren, Studiobetreibern und Schauspielern.
Biskupski: "Ein Faktor war Rassismus, der sicherlich nicht auf die Schwarzen begrenzt war. Im Allgemeinen waren die neuen Immigranten nicht gut in der amerikanischen Gesellschaft angesehen. Sie galten als minderwertig gegenüber dem älteren Bestand der Amerikaner. Schon im Jahre 1902 beschrieb Woodrow Wilson Polen als "Männer von primitiver Art", ohne Energie und Initiative des scharfen Verstandes. Sie waren eine derbe Belastung und noch weniger wünschenswert als die Chinesen. Solche Ansichten waren in der amerikanischen Gesellschaft weit verbreitet. Ohne Überraschung wurden deshalb auch Filme gedreht in denen Hispanics und Polen praktisch nicht vorhanden waren, Juden und Italiener waren anwesend und Iren sogar allgegenwärtig. Die Leiden und Leistungen der Polen im Kriege fanden nie Resonanz bei den Amerikanern. Es gab im Krieg keine Verschwörung der USA gegen Polen, weil dies zum Teil nicht erforderlich war. Die Amerikaner beschäftigten sich nicht mit den Polen, sie waren zu unbedeutend".
"Führende Persönlichkeiten in Hollywood waren Juden, vor allem polnische Juden. Einige von ihnen pflegten in der Tat alte Ressentiments und führten über den Film eine Vendetta gegen Polen. Dies galt insbesondere für die Warner Brothers, die einmal in Polen unter einem anderen Namen geboren worden waren. Wenn polnisch-amerikanische Organisationen sich über die groben Verzerrungen der Polen in ihren Filmen beschwerten, winkten die Warner Brothers ab und leugneten die Taktik. Aber auch Kommunisten und andere Linke hatten einen starken Einfluss in Hollywood. Kommunisten und andere Linke hatten einen starken Einfluss in Hollywood. Es war nicht ihre Aufgabe kommunistische Ideologien zu fördern, sondern das sowjetische Verhalten jener Zeiten zu verteidigen und gegebenenfalls Abstriche zu machen. Dies war besonders schwierig bei der Verteidigung der Hitler-Stalin-A-z von 1939 bis 1941. Die Dämonisierung der Polen war mit dieser Strategie im Einklang. Darüber hinaus waren die Linken zukunftsorientiert in ihrer Taktik der Diffamierung Polens".
"Die russische Kriegführung war in keiner Weise vom Denken der Amerikaner abhängig. Wie z.B. dass die polnische Regierung vor 1939 eine Bande von reaktionären Freunden des Faschismus war, oder dass die polnischstämmigen Amerikaner eine obskure und inkompetente Gemeinschaft von Außenseitern verkörperten. Dies diente aber vielmehr nur dazu, die amerikanische Öffentlichkeit auf die Einführung einer sowjetischen Marionetten-Regierung in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg vorzubereiten" - klagt Mieczyslaw Biskupski und bittet den Leser doch mal sein Augenmerk auf die Tatsachen zu richten, dass während des Krieges nicht die amerikanischen sondern die polnischen Piloten erfolgreicher Im Luftkampf gegen die Deutschen gewesen sein sollen. Sie hätten der Nazi- Luftwaffe das "Dreifache" der eigenen Verluste beigebracht, US- Piloten hingegen nur ein Viertel. Der Autor erinnert auch, dass die polnischen Verluste im Zweiten Weltkrieg zwischen 4.5 bis 7.5 Millionen Menschen, hiervon 3 Millionen Juden, ausgemacht haben und 40 000 Polen für die Alliierten spionierten.
Biskupski gibt zu, dass sein Buch störende Auswirkungen auf die Gegenwart haben könne, da sich vieles bereits in den Köpfen der Amerikaner geändert habe. "Die einst armen polnischen Einwanderer haben den Weg für eine lebendige polnisch-amerikanische Gemeinschaft gefunden und sie gehören wirtschaftlich gesehen, zu den fünf erfolgreichsten ethnischen Gruppen in den Vereinigten Staaten. Auf der anderen Seite hat sich nichts geändert. Der Einfluss der Polen in Politik und Populärkultur ist praktisch bei Null geblieben. Amerikaner bilden weiterhin Meinungen über die Polen und Polen, auf der Grundlage der Äußerungen von anti-polnischen Juden" - beschreibt der Autor die aktuelle Lage der Polonia in den USA. Abgesehen von einigen historischen Fehlern, auffälligen Anti-jüdischen Statements an falscher Stelle und fehlenden Hinweisen auf die wenig ruhmreiche polnische Minderheits- Politik jener Zeit, ist Biskupskis Buch schon lesenswert, denn tatsächlich war Hollywood in jener Zeit eine Rassismus- Fabrik, welche auch alle Deutschen zu Monstern machte. Das Buch "Hollywood's War With Poland 1939-1945" kostet 60 US- Dollar und ist nach Meinung von "Polskaweb" somit viel zu teuer.
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