Der polnische Medienkonzern Agora geht im Wettstreit um den Zeitungsmarkt in seiner Heimat in die Offensive. Um sich gegen den Axel-Springer-Verlag zur Wehr zu setzen, senkt Polens größter Verlag den Preis für sein Qualitätsblatt "Gazeta Wyborcza" um fast die Hälfte auf 1,5 Zloty (38 Cent).Rund so viel kostet auch Springers neues Blatt "Dziennik", das ab Montag am Kiosk liegt. "Wir ebnen das Spielfeld und stellen sicher, dass nicht der Preis, sondern die Qualität zum einzigen Entscheidungskriterium für den Leser wird", sagte Agora-Chefin Wanda Rapaczynski der FTD. Die Reaktion zeigt, wie sehr Agora um seine Position fürchtet. Der Verlag hat bereits schlechte Erfahrungen mit dem Rivalen Springer gemacht: Im Februar musste Agora sein Boulevardblatt "Nowy Dzien" nach nur drei Monaten vom Markt nehmen. Mit dem Titel hatte Agora versucht, Springers erfolgreichem Boulevardblatt "Fakt" etwas entgegen zu setzen. Ohne Erfolg: Die Auflage blieb weit unter den Erwartungen, das Abenteuer kostete Agora rund ein Viertel des Börsenwerts. Dass Springer bei den Qualitätszeitungen ein ähnlicher Erfolg gelingt, hält Rapaczynski für unwahrscheinlich: "Das ist nicht vergleichbar. Das Boulevardsegment war unterentwickelt, bei den Qualitätszeitungen gibt es viele etablierte Blätter." Der Verlag sei entschlossen, die Auflage seiner "Gazeta" bei 450.000 zu halten. "Das ist eine strategische Entscheidung, ,Gazeta Wyborcza? ist unser Kerngeschäft", sagte Rapaczynski. Die Preissenkung könne den Umsatz belasten, warnte der Verlag am Donnerstag, ohne genaue Zahlen zu nennen. Die Aktie sank daraufhin auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Der Springer-Verlag gibt sich hingegen gelassen. "Das beunruhigt uns nicht, wir haben damit gerechnet, dass Agora den Preis senkt", sagte Springer-Vorstand Andreas Wiele. Die Marktforschung habe dem Verlag gezeigt, dass auch die Preissensibilität der polnischen Leser begrenzt sei. "Wir glauben zudem, dass auf dem polnischen Markt noch Platz ist für ein weiteres Qualitätsblatt", sagte Wiele. Wenn "Dziennik" das Auflagenziel von 150.000 Stück erreicht habe, werde Springer sogar schauen, ob der Preis womöglich erhöht wird.
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