Der Verkauf von Autos in Polen wächst wie Hefe, obgleich der Autoabsatz in den meisten Staaten Europas Hals über Kopf fällt. Vor allen Dingen sind es deutsche Kunden die neben einer sog. Abwrackprämie auch den günstigen Wechselkurs- Euro-Zloty und die teilweise sehr preiswerten Einkaufspreise für Neuwagen in Polen schätzen. Manche Unterschiede bei den Kaufpreisen in Deutschland und Polen sind sogar riesig, wie z.B. beim Opel Astra 1,4 in der dreitürigen Fassung der in Polen meist nur knapp etwas über 10 000.- Euro kostet, in Deutschland aber mit 16 300.- Euro in den Händlerlisten auftaucht. Der billigste Dacia Logan wird in Polen sogar für nur 5800 Euro angeboten, in Deutschland kostet er mindestens 7300.- Euro. In diesen Kaufpreisen sind die unterschiedlichen Mehrwertsteuern beider Länder schon enthalten, aber auch hieran verdient der deutsche Autokäufer nochmals, denn in Polen liegt diese Steuer bei 22%, was drei Prozent mehr ausmacht wie das was man an den deutschen Fiskus abführen muss. Er kauft sein neues Auto in Polen ohne Mehrwersteuer und zahlt dann dafür in Deutschland nur 19%, also wieder 3% Ersparnis. Im vergangenen Februar war der Autabsatz in Polen, meist Dank deutscher "Abwrack" Käufer, um satte 7% größer als noch im gleichen Monat des Vorjahres.
Bereits im Januar diesen Jahres zeigte sich dass Polens Autoindustrie erst einmal nicht so stark durch die Krise leiden wird wie die meisten anderen EU- Länder, denn der Absatz war nur um 5 % zurückgegangen was natürlich gemessen am EU Durchschnitt von 27% so gut wie nichts war. Im Februar ging dann der Sturm der deutschen Neuwagen- Käufer auf die polnischen Auto- Salone los. Die Absatzzahlen stiegen um bis zu 22 Prozent. Die deutsche Regierung hatte eine clevere Abwrackprämie von bis zu 2500.- Euro eingeführt, welche einem Neuwagenkäufer zugute kam, der gleichzeitig sein mindestens 9 Jahre altes Fahrzeug verschrotten liess. Die Berliner Rechnung ging auch auf, denn schon alleine über die zusätzliche Einnahme von Mehrwertsteuern kostete die Abwrackprämie dem Staate nichts. Zusätzlich rechnete man damit dass hierdurch mehr Arbeitsplätze in der Autobranche erhalten bleiben, was sich aber nur teilweise aufgeht, da die oft viel günstigeren Angebote aus Polen, Rumänien und Tschechien im großen Umfang auch die dortigen Arbeitsmärkte belebt.
Der französische Autoriese Renault behauptet sogar, dass nach der Einführung der deutschen Abwrackprämie, die Lieferungen von Kleinwagen der Marke Clio und Dacia Logan von den Produktionsanlagen in Rumänien nicht mehr in ausreichender Menge geliefert werden konnten. Opel rühmt sich, dass der Fahrzeug-Absatz im vergangenen Monat ein fünfjahres Rekordniveau hingelegt habe. Es gibt noch keine Statistiken über ausländische Autokäufer in Polen. Inoffiziell spricht man aber von einigen tausend Autos monatlich. Bei einer Umfrage im Januar, also vor Einführung der Prämie, sprachen Händler aber schon von 10- bis 15 % meist deutschen Käufern. Ein Händler in Warschau sagte dass er im Januar mehrere Dutzend Neufahrzeuge nach Deutschland gebracht habe, daran kann man in etwa messen was diesbezüglich im westlichen Polen von Ausländern gekauft wird. Die Abwrackprämie gibt es aber auch in anderen EU Ländern, wie z.B. Italien, Frankreich, Rumänien und der Slowakei wo diese Prämien bis zu 1500.- Euro ausmachen. Die Regierungen unterstützen alle ihre Autoindustrien, denn sie sind oft die Stützen der heimischen Wirtschaft.
Die Autoindustrie ist aber ansonsten am schlimmsten von der gegenwärtigen Krise betroffen. Nach der Absatzminderung der Auto-Konzerne begrenzen diese ihre Produktionen und entlassen massenweise Arbeiter. Renault und Peugeot dezimierten ihre Mitarbeiterzahlen in Frankreich. In Schweden haben bereits über 10 tausend Menschen in der Autoindustrie ihren Job verloren. Trotz aller Abwrack-Hilfen aus Deutschland und der äussersten günstigen Neufahrzeug- Preise steht auch Polens Auto-Industrie und die hierbei tätigen Arbeiter vor einem Desaster. Es mussten bereits viele Arbeitskräfte aus diesem Wirtschaftszweig beurlaubt oder entlassen werden. Spätestens zum Herbst diesen Jahres ist mit Massenarbeitslosigkeit in Polen zu rechnen und die Regierung hat, als einzige in Europa, noch keinen Plan wie sie dieser Katastrophe Herr werden könnte, oder gar der Autoindustrie helfen könnte. Für diese Hilflosigkeit spricht auch dass man ausgerechnet während der jetzigen Krise auch noch die Steuern für Fahrzeuge mit Motoren über von 2.0 Litern erhöhen musste. Im Januar fiel es dem Wirtschaftsministerium in Warschau ein ebenso eine Abwrackprämie in Polen einzuführen, aber seitdem hat man auch nichts mehr davon gehört. Wirtschaftsexperten sagen dem europäischen Automarkt eine Schrumpfung von bis zu 25 % in diesem Jahr voraus, daran wird auch Polen leider nicht vorbeikommen.
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