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400.000 Polen werden auf Geheimdiensttätigkeit überprüft E-Mail
Mittwoch, 15. November 2006


Polnischer GeheimdienstÜber 400.000 Polen müssen bald über eine eventuell Tätigkeit für den Geheimdienst im kommunistischen Polen Auskunft geben. Die Novelle des entsprechenden Gesetzes hat Staatspräsident Lech Kaczynski am Montagabend unterschrieben. Für die rechtskonservative Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) ist dies ein wichtiger Schritt zur Erfüllung ihres Wahlversprechens, mit der Vergangenheit des Landes und weiter bestehenden Seilschaften aus dieser Zeit aufzuräumen. Das neue Lustrations-Gesetz, wie es in Polen genannt wird, zur Durchleuchtung des Vorlebens von Personen, steht damit in einer Reihe mit bereits verwirklichten einschlägigen Projekten der Regierungspartei: der Berufung einer Anti-Korruptionsbehörde mit den Vollmachten eines Geheimdienstes und eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der die Bank-Privatisierungen der vergangenen Jahre beleuchten soll. Ob sie Agenten waren oder nicht, müssen in Zukunft unter anderem auch Journalisten, Schulrektoren und Universitätsdozenten darlegen.

Allerdings verlangt Kaczynski, der im vergangenen Jahr bei den Präsidentenwahlen für die PiS antrat, mit seiner Unterschrift Änderungen des Gesetzes, ehe dieses in Kraft tritt. So sollen die 400.000 Polen, die "öffentliche Aufgaben erfüllen", nicht automatisch überprüft werden. Diese Zahl könnte das Institut für das Nationale Gedächtnis IPN, das die Geheimdienst-Akten verwaltet, nicht bewältigen. Stattdessen müssen die Betroffenen eine Erklärung über eine mögliche Agententätigkeit abgeben. Bisher musste das nur ein kleiner Personenkreis in den höchsten Staatsämtern tun.

Außerdem besteht Kaczynski darauf, dass es bei der geplanten Liste mit den Namen aller geheimer Agenten Differenzierungen vorgenommen werden. Es solle unterschieden werden, ob jemand beim Geheimdienst nur als Quelle registriert war oder tatsächlich Berichte ablieferte. Er gebe zwar zu, dass diese Liste "nie völlig gerecht" sein könne, sagte Kaczynski. "Aber ohne die Veröffentlichung einer Agentenliste würde sich die Vergangenheitsbewältigung in die Unendlichkeit ziehen", so der Präsident.

Auch sollten die Kandidaten für politische Ämter ihre Geheimdienstakten nicht, wie im Gesetz vorgesehen, offen legen müssen, forderte Kaczynski weiter. Schließlich habe der kommunistische Geheimdienst sich vor allem für politische Gegner interessiert. Die gesammelten Details über deren Privatleben zu veröffentlichen, hieße, jene Regimegegner "noch einmal zu bestrafen", so das Staatsoberhaupt.

Juristen halten das Manöver des Präsidenten, ein Gesetz nur unter der Bedingung von Änderungen zu unterschreiben, für bedenklich. "Ein Gesetz vor seinem In-Kraft-Treten zu ändern, zeigt, dass der ganze Prozess der Gesetzgebung bei uns nicht ganz ernst genommen wird", sagte der Rechtswissenschaftler Andrzej Zoll der Nachrichtenagentur PAP.


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